Legal Tech – Wie das Startup "DoNotPay" mit einer Rechtsberatungs-App den Markt der Rechtsanwälte ein wenig aufmischen möchte!

Rechtsanwälte und guter Rechtsbeistand sind teuer und gerade in den USA ist man sich dessen in besonderem Maße bewusst. Jetzt kommen immer mehr Angebote, vielfach in Form einer App auf den Markt, die typischen Klienten den Weg in die Kanzleien ersparen sollen und Rechtsbeistand ganz digital vermitteln.

Das Ganze ist viel günstiger bis gar kostenlos, als der Besuch beim Anwalt und soll auch die rechtlich beraten, die in geringfügigen Fällen die Kosten eines Anwalts gegen die Erfolgsaussichten abwägen und in der Regel Dinge auf sich beruhen lassen.

Diese neuen Technologien bezeichnet man als Legal Tech und potenzielle Geldgeber scheinen sich für Investition die Klinke in die Hand zu geben.

DoNotPay Screenshots

DoNotPay Screenshots. Quelle: Alex Banaga on dribbble.com

 

Die Szene Legal Tech ist in Bewegung

Im Silicon Valley und anderen Innovationsstandorten für IT-Startup hört man immer noch die Geschichten, die von Startups handelten, die nur auf Basis einer Powerpoint-Präsentation Investoren mit Millionensummen ins Boot holen konnten. Das war zu Zeiten vor der Dotcom Blase. Legal Tech Projekte scheinen wieder etwas zu sein, wo Investoren sehr viel Entwicklungspotenzial sehen und sich um Startup in dieser Szene sprichwörtlich reißen.
 

Legal Tech Anwendung. Quelle: pexels.com, Negative Space

Legal Tech

Die Funktionsweisen der Legal Tech Anwendungen (wir sprechen hier ausschließlich vom B2C-Bereich) basieren vielfach auf folgendem Prinzip: der Nutzer wird durch das Programm geleitet und muss typische Fragen beantworten. Diese Daten werden verarbeitet und häufig stehen am Ende der Befragung Standardformulare, Anträge und andere Formulare, die man ausfüllen kann und in der Folge an die richtigen Stellen weiterleitet.

 

Das Startup "DoNotPay"

Ein gutes Beispiel ist das Legal Tech Startup DoNotPay. Folgendes wird angenommen, ein Benutzer hat ein typisches Problem, beispielweise erhält er einen Strafzettel für ein Auto, dass er bereits verkauft hat. Eine Person geht auf die Website, findet dort eine Anwendung für solch einen Fall und durchläuft eine typische Abfolge von Fragen. Das sind anfänglich einfache Fragen zur Person und Fahrzeug und nachfolgende genauere Details zum Hergang.

Mehr als ein Bot?

Journalisten bezeichnen diesen Prozess als einen Chat-Bot, aber damit schmeicheln sie dem Programm sogar, denn diese Programme sind statisch und verfügen über kaum Variabilität. Sie weisen nur einfache Textfelder auf. Am Ende werden diese Daten auf ein Formular übertragen, das man dann ausdrucken kann.

Wird kein Anwalt mehr benötigt?

Dass kein Anwalt mehr benötigt wird, können einfache Programme jedoch nicht halten. Die Versprechen, hier den Anwalt ganz zu ersetzen erfüllen sich in nur wenigen der Fälle. In Falle dieses Startups kann man nicht sagen, dass das Programm funktioniert und es den Anschein hat, als wäre dieses Programm in einigen wenigen Abenden reproduzierbar und würde rund 50 Standardformulare enthalten, die ebenso reproduzierbar sind.

Investitionen

Trotz dieses eingeschränkten Angebots, erhielt DoNotPay über eine Millionen Dollar an Investitionen, unter anderem von keinem Geringeren als vom Investor Andreessen Horowitz.

Joshua Browder DoNotPay

Joshua Browder, DoNotPay DLDnyc Conference 2016. Quelle: flickr / Hubert Burda Media / CC BY 2.0

 

Joshua Browder, Gründer des Legal Tech Service "DoNotPay" erhält $ 1,1 Mio. Investitionen von Top-Ventuere Capital Fonds

Der Legal Tech Bot "DoNotPay" von Joshua Browder hat 1,1 Millionen Dollar an Finanzierung gewonnen, von Geldgebern angeführt von Andreessen Horowitz, einem der bedeutendsten Risikokapitalgeber der Welt.

Das Geld wird verwendet, um kompliziertere Bereiche des Gesetzes durch den LegalTech Bot anzugehen. Scheidungen, Einwanderung, geringfügige Forderungen, Grundsteuer und weitere Bereiche seien in Planung oder auf dem Weg, sagte Browder, und fügte hinzu, dass es "vielleicht die App sein könnte, die jeder herunterlädt, um all seine Probleme zu lösen".

Greylock Partners und Anwälte der Firma Wilson Sonsini nahmen ebenfalls an der Finanzierungsrunde teil.

Joshua Browder "Ich tue das überhaupt nicht, um Geld zu verdienen. Als Teil der Finanzierung (und aller zukünftigen Finanzierungen) werde ich ein Gehalt von 1$ / Pfund entnehmen, bis das Gesetz für jedermann in den USA und Großbritannien kostenlos ist.

Natürlich sind wir weit von diesem Ziel entfernt, aber ich hoffe, dass DoNotPay letztlich jedem die gleiche legale Kraft geben wird, so wie die Reichen in unserer Gesellschaft sie besitzen", fügte Browder hinzu.

Joshua Browder DoNotPay

Joshua Browder, DoNotPay DLDnyc Conference 2016. Quelle: flickr / Hubert Burda Media / CC BY 2.0

Interview mit dem Gründer

Artificial Lawyer besprach mit Browder den enormen Finanzierungsschub und das sagte der A2J (Access to Justice)-Pionier:

A2J

Access to Justice
Der freie Zugang zu Justiz und Rechtsprechung gilt als einer der Grundprinzipien der Rechtsstaatlichkeit und wird auch als Access to Justice bezeichnet. Prinzipiell sollte der Anspruch gelten, dass jeder Mensch vor dem Gesetz primär gleichberechtigt ist und auch jeder den gleichen Zugang haben sollte – soweit die Theorie.

Die Realität zeichnet hier in weiten Teilen der Welt ein anderes Bild. Nicht jeder hat den gleichen Zugang zur Rechtsprechung und Justiz und vielfach entscheidet die Herkunft, der Status oder die Zugehörigkeit zu einer Gruppe darüber, ob man diesen Zugang gleichberechtigt erhält.

Der Access to Justice Vordenker Browder versucht mit seinem Bot einen Teil zu mehr Gleichberechtigung beizutragen und mittels einer App diesen benachteiligten Gruppen überhaupt erst einen Zugang zu ermöglichen.

- Was bedeutet diese Finanzierung für Sie?
- Ich habe erkannt, wie Gesetze für manche Menschen als ausbeuterisch angesehen werden. Als Gründer alleine, kann ich nicht alles selber umsetzen. Die Finanzierung ermöglicht es mir, ein Weltklasse-Team aufzubauen, um mehr Bereiche mit besserem Design, aber auch Technologie zu erreichen. Ich stehe da aber zum Glück noch am Anfang und habe Handlungsspielraum.

- Wie bekommt Andreessen Horowitz eine Rendite auf seine Investition?
- Es gibt eine unbegrenzte Anzahl von Problemen in der Welt. Vielleicht ist die letzte App, die jeder benutzt, diejenige, die all ihre Probleme umsonst löst. Alle meine legalen Produkte sind für die Verbraucher weiterhin kostenlos; Ich wäre jedoch nicht dagegen, andere Wege zu finden, um es kommerziell nachhaltig zu machen, was nicht unmöglich ist, wenn mehr Menschen das Produkt verwenden. Die Priorität besteht jetzt darin, dass Angebot so weiter auszubauen und aufrechtzuerhalten.

- Wofür wird die Finanzierung verwendet? Mehr Personal, Marketing, neue Technik?
- Die Investitionen fließen überwiegend in Design und Technik. Wir haben bereits begonnen und viele aufregende Neuerungen angekündigt, darunter ein komplett neues Design und einige echte AI (Artificial intelligence – künstliche Intelligenz) - Produkte.

Die Investitionen fließen überwiegend in Design und Technik. Wir haben bereits begonnen und viele aufregende Neuerungen angekündigt, darunter ein komplett neues Design und einige echte AI (Artificial intelligence – künstliche Intelligenz) - Produkte.

Künstliche Intelligenz

in der IT
Menschliche Intelligenz ist Grundlage der Bewältigung von Aufgaben. Mal sind diese Aufgaben einfach, mal komplexer und manchmal erfordern Aufgaben auch die Fähigkeit Rückschlüsse für weitere Prozesse vorzudenken.

Künstliche Intelligenz (KI), die zunehmend auch immer mehr Einzug in IT-Projekte hält, versucht eben diese menschliche Intelligenz durch Maschinen und Robotern zu imitieren. Zu den Fähigkeiten künstlicher Intelligenz zählen das Schlussfolgerungen ziehen, aus vergangenen Handlungen zu lernen und Schlüsse auf Zukünftiges zu ziehen. Bei künstlicher Intelligenz ahmen Computerprogramme und Algorithmen menschliche Intelligenz nach und Muster werden erlernt.

- Werden Sie DNP (DoNotPay) Ihre ganze Zeit widmen oder auch noch andere Jobs haben?
- Vollzeit. Ich bin meiner Vision verpflichtet und mag das Firmenleben nicht!

- Werden bei der Entwicklung der DNP-Plattform neue Arten von Technologien erlaubt und getestet, die beispielsweise über den aktuellen Chat-Bot hinausgehen?
- Absolut. Das größte Missverständnis über DoNotPay ist, dass man davon ausgeht, dass wir fertig wären. Fakt ist aber, dass wir vielleicht gerade einmal ein Prozent des Weges zum Ziel geschafft und umgesetzt haben.

Das (einfache) Ausfüllen von PDF's hat sich vielleicht schon hervorragend bewährt und betrifft die Bereiche wie Verkehrsverstöße und Verbraucherrechte. In anderen Bereichen müssen aber andere Technologien entwickelt werden, um Rechtsanwälte auch auf anderen Feldern und anspruchsvolleren Bereichen zu ersetzen.

- Sie haben sich aufgemacht mit Ihrem Unternehmen den Markt der Rechtsprechung zu liberalisieren, sprich manches Mal den Anwalt einzusparen. Das ist an sich ein großartiges Vorhaben. Hoffen Sie, dass sich auch weitere Personen hinter die Idee stellen?
- Da bin ich mir sicher. Mich erstaunt ein wenig die Technologie-Community, von der ich mich auch als Teil verstehe. Mein größter Wunsch wäre der, dass Experten und kluge Köpfe sich einmal mehr auf den Schutz der Verbraucher konzentrieren würden. Wir brauchen keine andere "Enterprise Blockchain AI Plattform". Was wir brauchen, ist Equifax zu bekämpfen!

Datenklau bei Equifax

DoNotPay hilft
Eigentlich ist Equifax nichts weiter als die größte Wirtschaftsauskunftei der USA, hat entsprechend Reputation, aber steht dennoch in einer Reihe mit vielen anderen Wirtschaftsauskunfteien.

Wäre es da nicht zu einem Riesendatenklau durch einen Hackerangriff gekommen, bei dem sensible Kundendaten von 143 Millionen Kunden aus den USA, Großbritannien und Kanada in die falschen Hände geraten sind. In den Besitz der Hacker gerieten dabei Sozialversicherungsnummern, Adressen und sogar Kreditkartennummern. Das eigentlich Brisante daran war aber nicht der Datenklau als solches, der sich über nahezu zwei Monate erstreckte. Noch bevor die Öffentlichkeit über den Vorfall informiert wurde, haben drei leitende Angestellte schnell ihre Unternehmensanteile im Wert von 1,8 Millionen US-Dollar verkauft. Gegen diese drei Mitarbeiter wurde ermittelt.

Joshua Browder, der britische Tech-Pionier und Gründer von DoNotPay hat eine App entwickelt, mit der Equifax wegen massiver Datenverletzung verklagt werden kann.

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